Geschichte

Gründung und Entwicklung

Die Deutsche Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten e.V. (DVV) wurde am 31. August 1954 in Berlin als interdisziplinäres Instrument der Ärzte und Wissenschaftler in Praxis, Klinik, Forschungsinstituten und Gesundheitsbehörden gegründet. Sie wird vom Bundesministerium für Gesundheit, den Gesundheitsministerien der Bundesländer, wissenschaftlichen Fachgesellschaften sowie sozial engagierten Stiftungen und Organisationen getragen.

Die DVV beschäftigte sich zunächst vor allem mit der Bekämpfung der Poliomyelitis in Deutschland. Seit deren Eliminierung näher gerückt ist und sich durch die Entwicklung und die konsequente Anwendung neuer Impfstoffe große Fortschritte in der Bekämpfung anderer Viruskrankheiten abzeichneten, wurde die Tätigkeit der Vereinigung entsprechend ausgedehnt. Im Jahr 1972 wurde das auch im Namen ausgedrückt, 1977 gab sich die Vereinigung ihren heutigen Namen.

Präsidenten der DVV

  • seit 2017: Prof. Dr. Helmut Fickenscher, Kiel
  • 2014 – 2016: Prof. Dr. Barbara Gärtner, Homburg/Saar
  • 2002 – 2013: Prof. Dr. Peter Wutzler, Jena
  • 1996 – 2001: Prof. Dr. Hans-Wilhelm Doerr, Frankfurt
  • 1990 – 1996: Prof. Dr. Günther Maass, Münster
  • 1980 – 1990: Prof. Dr. Friedrich Deinhardt, München
  • 1966 – 1980: Prof. Dr. Richard Haas, Freiburg
  • 1961 – 1966: Prof. Dr. Gerhard Joppich, Göttingen
  • 1954 – 1961: Prof. Dr. Hans Kleinschmidt, Göttingen

Festvortrag

Festvortrag zum 50. DVV-Jubiläum (PDF)
Festvortrag von Prof. Dr. Peter Wutzler anlässlich des 50. Jubiläums der DVV (9. September 2004)

Historische Verantwortung

Die DVV stellt sich ihrer historischen Verantwortung und hat die Rolle der ersten drei Präsidenten während der Zeit des Nationalsozialismus wissenschaftlich aufgearbeitet.

Eine medizinhistorische Veröffentlichung von Sylvia Wagner („Ein unterdrücktes und verdrängtes Kapitel der Heimgeschichte, Arzneimittelstudien an Heimkindern“, Sozial.Geschichte Online 19, 2016) dokumentiert die nationalsozialistische Vergangenheit der ersten drei DVV-Präsidenten:

Prof. Dr. Hans Kleinschmidt (Präsident 1954–1961): Geboren 1885 in Wuppertal, trat 1937 der NSDAP bei. 1944 war er im wissenschaftlichen Beirat des Bevollmächtigten für das Gesundheitswesen, Karl Brandt, dem ranghöchsten NS-Mediziner.

Prof. Dr. Gerhard Joppich (Präsident 1961–1966): Geboren 1903 in Hermsdorf, trat 1932 der NSDAP bei, war Oberbannführer der Hitlerjugend und Abteilungsleiter im Amt für Gesundheit der Reichsjugendführung.

Prof. Dr. Richard Haas (Präsident 1966–1980): Geboren 1910 in Chemnitz, trat 1937 der NSDAP bei. Ab 1943 gehörte er der SS an.

Die historische Forschung zeigt zudem, dass die Deutsche Vereinigung zur Bekämpfung der Kinderlähmung (wie die DVV bis 1977 hieß) in den frühen 1960er Jahren Impfversuche mit Polioimpfstoffen an Heimkindern unterstützte. In Protokollen aus dieser Zeit wird deutlich, dass die Frage der informierten Einwilligung der Erziehungsberechtigten problematisch gehandhabt wurde.

Der Vorstand der DVV e.V. hat hierzu folgende Stellungnahme abgegeben:

1. Die DVV distanziert sich von der vorherigen Rolle ihrer drei ersten Präsidenten in nationalsozialistischen Organisationen und kann diese Rolle bei der Bewertung derer späterer DVV-Tätigkeit nicht ignorieren.

2. Die DVV distanziert sich von Impfversuchen der DVV aus den frühen 1960er Jahren, sofern dabei die Vorbedingung der Information und Zustimmung der Erziehungsberechtigten der in diesen Studien beteiligten Kinder keine Berücksichtigung fand.

Weiterführende Literatur

Wagner, Sylvia: „Ein unterdrücktes und verdrängtes Kapitel der Heimgeschichte, Arzneimittelstudien an Heimkindern“. Sozial.Geschichte Online 19 (2016), S. 61–113.
Online verfügbar: https://duepublico.uni-duisburg-essen.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-42079/04_Wagner_Heime.pdf

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